Im Zusammenhang mit der Projektportfolio-Geschichte bin ich über einen Bericht aus Amerika gestolpert. In diesem war zu lesen, dass in den USA ca. 40% der IT-Projektinvestitionen nicht die erwarteten Resultate lieferten. 2,3 Billionen Doller werden für solche Projekte ausgegeben, und die Recherchen der Meta Group zeigen, dass
- bis zu 84% der Unternehmen gar keinen oder nur bei auserlesenen Projekten überhaupt einen Business Case erarbeiten, und
- 89% der Unternehmen keine Messgrössen bestimmt haben, ausser bei den Finanzen.
- Dazu kommt, dass 84% der Unternehmen nicht in der Lage sind, ihre Budgetplanung mehr als 1-2 Mal im Jahr den Geschäftbedürfnissen anzupassen.
Das Resultat? In der Nähe von 1 Billion Investitionsdollar ($1,000,000,000,000), welche sich nicht auszahlen! Nicht nur sind die Investitionen ungeheuer gross, aber sie werden typischerweise schlecht gemanagt, auf fragmentierte Weise, mit einem Projektfokus statt einem Portfoliofokus. Die meisten Unternehmen benutzen einfach keine Projektportfoliomanagement-Strategie
Wieso? Dazu gibt es diverse Gründe. Zum einen, ist es die "weil wir es immer so gemacht haben" Mentalität. Dabei werden die richtigen Fragen einfach nicht gestellt; weil es eben fragmentiert ist, wird es der Geschäftsleitung gar nicht bewusst, wie viel Gelder in Sand gesetzt werden oder werden können. Ein weiterer Grund ist das so genannte "Dezibel-Management" System: wer am lautesten schreit, erhält das Geld. Es gibt einfach keine Basis, die Projekte neutral zu betrachten, also geht es ganz einfach um Budget-Macht.
Dazu kommt natürlich auch der Aufwand ins Spiel. Alles ist ja viel zu dringend, um noch einen Business-Case richtig aufzuarbeiten. Wichtig ist, so schnell wie möglich das Projekt anzufangen, um die erwünschten Resultate auch so schnell wie möglich zu erhalten. Wie oft haben Sie das schon erlebt? Alles fängt plangemäss an, aber schnell kommen die Probleme zum Vorschein: es geht länger in der Entwicklung als erwartet, die Lieferung hat Verspätung; wir haben die benötigten Arbeitskräfte nicht zur Verfügung; usw. Kurz gesagt, es brennt einfach überall, und das Management rennt hin und her von einer Brandstelle zur nächsten. Kennen wir doch alle!
Beängstigend wird es nur, wenn das Geld wirklich knapp wird. Leider sind wir Menschen mal so: wir müssen leiden, bevor wir etwas ändern!
Projektportfoliomanagement ist nichts anders als das Steuern des Kapitalinvestitionsbudgets und verdient die Beachtung des gesamten Managements. Geld ist nicht einfach da, um zu verbrennen. Es soll etwas Positives bewirken. Die Einführung eines solchen Systems bringt Vieles auf den Tisch. Es zeigt vor allem auf, welche schlechten Entscheidungen aus dem Bauch gemacht wurden und wie viel Geld und Ressourcen in Sand gesetzt wurden oder eben, werden! Das kann sich keiner erlauben, in einem so schlechten Licht da zu stehen. Und deshalb wird es schlussendlich nicht eingeführt.
Die Kunst hier ist die Überzeugung, dass es für den einzelnen Manager einen Riesenvorteil bringen kann, nämlich, dass er sein Geschäft im Griff haben kann. Es geht nicht um Vergangenheitsbewältigung, sondern darum, sich zu verbessern und bessere Entscheidungsgrundlagen zu haben. Der Entscheid, etwas nicht zu machen, weil es nichts bringt, hat noch nie jemandem geschadet. Die Vorteile kommen aus guten und gut begründeten Entscheiden.
Wenn es um so viel geht, da dürften wir wirklich Besseres vom gut-bezahlten Management erwarten, oder nicht?
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